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Das Trainingslager ist vorbei

Das Trainingslager ist vorbei

Das Trainingslager ist vorbei

Virtuelle Fortbildungsveranstaltungen erleben einen wahren Boom. Doch Quantität allein ist kein Garant für Qualität. Vielen Unternehmen fällt es immer noch schwer, ihre digitalen Angebote der Zeit und dem Format anzupassen. Eine digitale Veranstaltung ist kein 1:1-Ersatz für ein Face-to-Face Event. Sie ist ein gänzlich anderes Medium. Dabei ist es gar nicht so schwer. Schon wenn Sie ein paar grundlegende Dinge beherzigen, steigern Sie Ihre Chancen auf eine gelungene und zukunftsweisende Veranstaltung erheblich.

Seit im Frühjahr 2020 alle Live-Veranstaltungen bis auf weiteres auf Pause gesetzt worden sind, ist das Angebot an virtuellen Formaten exorbitant gestiegen. Dass diese – auch bei großen Teilnehmerzahlen und in Serie – eine erfolgreiche Alternative sein können, haben die vergangenen Monate deutlich gezeigt. Dennoch: Eine rundum gelungene virtuelle Veranstaltung ist mehr als das. Sie muss nicht nur aus dem Gesamtangebot herausstechen, sie muss die Teilnehmer auch bis zum Schluss ans Endgerät fesseln. Die folgenden Fehlannahmen sollten Sie dabei vermeiden.

1. Je interaktiver, desto besser!

Zwingen Sie die Teilnehmer nicht zu Dingen, auf die sie keine Lust haben. Eine Veranstaltung kann interaktiv sein, wenn es sich anbietet. Wenn Sie einen Workshop veranstalten, wollen Sie verständlicherweise mit den Teilnehmern interagieren und Inhalte erarbeiten. Dabei können Sie nach Herzenslust das ganze bunte Spektrum der interaktiven Möglichkeiten nutzen. Bei Fortbildungen, die eher wie eine Sendung funktionieren, ist Purismus ein Geschenk an die Teilnehmer. Einfache Tools, wie Chat- oder Fragefunktionen, lenken nicht ab und sind in der Regel leicht zu bedienen. Jeder kann, muss aber kein aktiver Teil der Veranstaltung sein.

2. Infotainment ist der Tod der Wissenschaft

Welche Inhalte Sie auch kommunizieren wollen, kurzweilig und interessant, mit einer Prise Blitz und Donner hie und da, ist immer eine gute Kombination. Das gilt auch für komplexe, wissenschaftliche Inhalte, denn die Aufmerksamkeit der Zuhörer ist selektiv. Seien Sie wählerisch. Überlegen Sie sorgfältig, was bei den Teilnehmern im Kern wirklich hängen bleiben soll und wie es ansprechend verpackt werden kann. Der Rest ist überflüssiger Ballast. Online-Fortbildungen sollten so kompakt wie möglich sein. Ansonsten sinkt umgekehrt proportional die Aufmerksamkeit der Teilnehmer und sie wenden sich parallel anderen Dingen zu. Die Form sollte sich nicht nur nach dem Inhalt richten. Planen Sie genau, was wie gesagt, gezeigt und diskutiert wird. Transparenz ist dabei Ihr Freund: Wer richtig und sichtbar referenziert, lässt den Teilnehmern die Möglichkeit der Kontrolle, das schafft Vertrauen, auch bei Infotainment. Wer sich vertiefend informieren möchte, hat so die Möglichkeit dazu.

3. Wir sollten möglichst viel wiederverwenden

Stellen Sie bitte nicht alles online, was Sie finden können. Ganze Fortbildungen und selbst Zusammenschnitte sollten mit Bedacht gewählt werden. Das digitale Angebot an Videos, Podcasts und Artikeln ist explodiert. Dabei sind riesige Content-Gräber entstanden, die in der Regel mehr abschrecken als einladen. Bleiben Sie schlank. Was ist dienlich, was lenkt eher ab oder vergrault die Leute vielleicht sogar?

4. Wir brauchen keinen Moderator

In der Krise haben auch die größten Skeptiker die Vorteile einer professionellen Moderation erkannt. Viele großartige Redner mussten schmerzlich erfahren, wie anders ein virtuelles Format ist. Ein versierter Moderator sorgt hier nicht nur für Sicherheit, er ist auch der Gatekeeper für Ihre Botschaften. Eine gezielte Auswahl und ein gutes Briefing sind dafür unerlässlich.

5. Man weiß ja nicht, wie es weiter geht

Entgegen aller hartnäckigen Gerüchte ist die Zukunft von Medical Education Formaten sehr wohl planbar. Vielfältig und flexibel lautet die Post-Corona-Prognose: Face-to-Face, virtuell und die neue Königsdisziplin – der Hybrid. Dies bringt neue Herausforderungen mit sich. Einerseits steigt die Zahl der Teilnehmer durch die virtuelle Verlängerung. Andererseits müssen die virtuellen Teilnehmer bedarfsgerecht an die Hand genommen werden. Sie brauchen eine andere Umgebung und Möglichkeiten zum persönlichen Austausch. Das Tages-Symposium verhält sich zur zweistündigen digitalen Abendfortbildung wie der Marathon zum Sprint. Dafür bedarf es neuer, weiterentwickelter Konzepte. In den vergangenen Monaten hat die Branche ihre Technik verbessert und fleißig auf der Kurzstrecke trainiert. Nun heißt es fit werden für die virtuelle Langstrecke bevor der Startschuss erklingt. Erfahrene Partner können dabei wertvolle Unterstützung leisten.

Autor

Bernadette Feye, Senior Consultant
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Erschienen in: Pharma Relations 05/2021